Schachverein Ströbeck

Förderverein zur Wahrung und Pflege der Schachtradition



Das Ströbecker Mai-Schachturnier

Im Jahr 1960 fand in Leipzig die XIV. Schacholympiade statt. Zu diesem herausragenden Ereignis wurde eine Ausstellung unter dem Thema "Schach im Wandel der Zeiten" aufgebaut. Für diese Exposition konnte Ströbeck einige Leihgaben zur Verfügung stellen. Daneben war das Ströbecker Lebendschachensemble eingeladen, durch mehrere Auftritte das Rahmenprogramm der Schacholympiade zu bereichern. 

Solcherart mit der Schacholympiade verbunden, nahmen die Ströbecker das Ereignis zum Anlass, ein eigenes Schachturnier durchzuführen.  

Dieses Turnier fand am 08. Mai 1960 unter dem nicht ganz ernst gemeinten Titel "Kleine Schacholympiade" statt.

An diesem Turnier nahmen je eine Mannschaft folgender Vereine teil:

            1. Einheit Halberstadt

            2. Schachverein Ströbeck

            3. Motor Osterwieck

            4. Traktor Derenburg

            5. Empor Hessen

            6. Traktor Badersleben

(O.g. Reihenfolge stellt die Endplatzierung dar).

Gespielt wurden 5 Runden bei 30 Minuten Bedenkzeit pro Spieler und Partie.

Das Turnier war ein voller Erfolg. Aktive Teilnehmer, Organisatoren und auch Zuschauer waren begeistert. So entstand der Gedanke, auch in den kommenden Jahren ein Schachturnier durchzuführen. In Abstimmung mit dem Vorstand des SV Ströbeck und mit den aktiven Teilnehmern dieses Turniers wurde bereits zu diesem Zeitpunkt beschlossen, das Turnier alljährlich im Mai und ausschließlich als Mannschaftswettkampf zu organisieren. Diese Festlegung hat bis heute Gültigkeit.

Der Zuspruch war entsprechend groß, die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften vergrößerte sich von Jahr zu Jahr.

Um das Turnier auch weiterhin an einem Tag durchführen zu können, war es zwangsläufig erforderlich, die teilnehmenden Mannschaften in Gruppen einzuteilen sowie auch die Bedenkzeit entsprechend zu reduzieren.

Bereits im Jahr 1962 wurde in zwei Gruppen (Bedenkzeit 2 x 15 Minuten), von 1985 - 1992 in drei Gruppen (Bedenkzeit 2 x 10 Minuten), ab 1993 in vier Gruppen (Bedenkzeit 2 x 10 Minuten) gespielt.


Wie bekannt, war es zu DDR-Zeiten fast unmöglich, eine Mannschaft zu einem Turnier aus der nichtsozialistischen Welt einzuladen. Trotzdem gab es für Ströbeck eine Ausnahme: Im Jahr 1988 besuchte ein Schachfreund aus Amersfoort/Niederlande als Tourist Ströbeck. Er äußerte den Wunsch, im Mai 1989 mit zwei Mannschaften am Turnier teilnehmen zu dürfen. Damit hatte der Vorstand des SV Ströbeck ein großes Problem, denn es war zu diesem Zeitpunkt sehr schwer, Schachsportler aus der nichtsozialistischen Welt zu Wettkämpfen einzuladen. Nach einigen Verhandlungen des damaligen Vereinsvorsitzenden mit der ehemaligen SED-Kreisleitung erhielt Ströbeck die Genehmigung, die Schachfreunde aus Amersfoort einzuladen, allerdings unter Beachtung folgender Beauflagungen:

               - die Schachfreunde aus den Niederlanden dürfen offiziell nicht begrüßt werden

               - eine  Berichterstattung in der Presse über ihre Teilnahme wird nicht gestattet

               - sie dürfen nicht in Ströbeck übernachten, sondern auf einem internationalen Campingplatz

               - "Besondere Vorkommnisse" müssen gemeldet werden

Das Übernachtungsverbot in Ströbeck wurde ignoriert. Die acht Schachfreunde haben sich auf dem Campingplatz lediglich an- bzw. abgemeldet, die Übernachtung erfolgte privat bei Schachfreunden in Ströbeck. Es war selbstverständlich, dass es keine "Besonderen Vorkommnisse" gab. Dieser Besuch aus den Niederlanden war für die Ströbecker und auch für die übrigen Gastspieler ein besonderes Ereignis.

 

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands nahm die Teilnehmerzahl sprunghaft zu. Es meldeten sich zur Teilnahme Mannschaften nicht nur aus Ost- sondern auch aus Westdeutschland. Aber auch aus dem Ausland kamen Anmeldungen, aus Amersfoort/NL (wie bereits erwähnt), Vriezenveen/NL, Wijk aan Zee/NL, Hengelo/NL, Paris/Frankreich, Balatonfüred/Ungarn, Wilrijk/Belgien, Kilingi-Nomme/Estland, Kowalewo Pomorski/Polen.

Aus dem ostdeutschen Turnier wurde ein gesamtdeutsches Turnier mit internationaler Beteiligung.

 

Im Laufe der Jahre hat sich ein Spielerstamm gebildet. Obwohl für die Siegermannschaften keine Geld- bzw. Sachpreise, wie auf anderen Turnieren durchaus üblich, vergeben werden, kommen viele Mannschaften bereits über Jahrzehnte, teilweise in ununterbrochener Reihenfolge nach Ströbeck. Als Preise werden lediglich der Wanderpokal für den Gesamtsieger, Urkunden für die drei Erstplatzierten jeder Gruppe und die legendäre Schachtorte für den jeweiligen Gruppensieger vergeben.

Inzwischen erhalten  max. 58 Mannschaften eine Einladung zur Teilnahme. Die vorhandenen Raumkapazitäten lassen eine Erweiterung der Teilnehmerzahl nicht zu. Aus diesem Grunde können neue Mannschaften nur aufgenommen werden, wenn Mannschaften aus dem Spielerstamm ihre Teilnahme absagen.

 

Fragt man als Ströbecker Gastspieler, weshalb sie jedes Jahr wiederkommen, so erhält man in etwa folgende Antworten:

                 - es ist der Ort selbst mit seinem besonderen Flair

                 - es ist die Ströbecker Gastfreundschaft

                 - es ist die Art und Weise der Turnierdurchführung

                 - es ist die kulturelle Umrahmung am Spieltag

                 - es sind die Auftritte des Lebendschachensembles

In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass zwei Gäste vor der Siegerehrung die Möglichkeit erhalten, mit lebenden Figuren eine Schachpartie zu spielen

 

Spielmodus:

- die Teilnahme erfolgt auf Einladung durch den Vorstand des Schachvereins

- es ist ein Mannschaftsturnier, bestehend aus vier Spielern pro Mannschaft

- es wird in vier Leistungsgruppen A B C D gespielt, wobei in der Gruppe A die leistungsstärksten Mannschaften vertreten sind

- in jeder Gruppe spielt jede Mannschaft eine Partie gegen die übrigen Mannschaften der Gruppe

- die Bedenkzeit beträgt 10 Minuten pro Spieler und pro Partie

- Reihenfolge der Wertung:

                                                 1. Brettpunkte

                                                 2. Mannschaftspunkte

                                                 3. Sonneborn-Berger-Wertung

- das Siegerteam der Gruppe A erhält den Wanderpokal des Schachdorfes Ströbeck

Der Wanderpokal bleibt im Besitz einer Mannschaft, die in drei auf  einanderfolgenden Jahren bzw. fünf mal in unterbrochener Reihenfolge den Sieg errungen hat.

- die drei Erstplatzierten jeder Gruppe erhalten eine Urkunde

- die Besonderheit und der Anreiz für die teilnehmenden Mannschaften besteht darin, dass die Erstplatzierten (zwei bis drei Mannschaften) der Gruppen B C D beim folgenden Turnier in die nächste Leistungsgruppe aufsteigen, während die Letztplatzierten (ebenfalls zwei bis drei Mannschaften) der Gruppen A B C entsprechend absteigen.

 

Das jährlich stattfindende Turnier hat sich für Ströbeck zu einem bedeutenden Ereignis entwickelt, zumal zum gleichen Zeitpunkt das dreitägige Volks- und Heimatfest gefeiert wird.

Wie z.B. das Schachspielen mit lebenden Figuren und der Schachunterricht in der Schule Ströbeck zählt auch das Mai-Schachturnier zu den tragenden Säulen der Ströbecker Schachtradition.

Turnierleiter in Reihenfolge:

Josef Cacek, Alois Hunstock, Hermann Rabe, Reinhold Gädecke


Impressionen zum Maischachturnier :