Schachverein Ströbeck

Förderverein zur Wahrung und Pflege der Schachtradition



 

Kurierspiel aus dem Schachmuseum


Kurierschach

ist eine historische Schachvariante die nicht auf acht mal acht Feldern, sondern auf zwölf mal acht Feldern gespielt wird.

Schleich aus dem Kurierspiel- zu sehen im Schachmuseum Ströbeck



Neben dem bekannten Schach wurde in Ströbeck bis Anfang des 19.Jh das während des Mittelalters gebräuchliche Kurierschach (oder „Courierschach“) gespielt. Die Spielregeln des Ströbecker Kurierschachs hat Gustavus Selenus in dem ersten deutschsprachigen Schachlehrbuch, das im Jahr 1616 erschien , beschrieben.

Auf dem Programm des Schachkongresses zu Ströbeck von 1885 ist noch ein Wettkampf im Kurierschach ausgeschrieben. Die hier aufgeführten Regeln stammen aus diesem Programm.

Regeln für das Kurierschach:

Das Kurierspiel wird auf einem Brett von 12 x 8 = 96 Feldern gespielt. 

Ein schwarzes Eckfeld zur Rechten; von dort an gerechnet werden die 12 großen Figuren so aufgestellt: Roch (Elefant), Ross (Reiter), Alte, Kurier, Mann (Rat des Königs), König, Fers (Königin), Schleich (Rat der Königin), Kurier, Alte, Ross, Roch.

In der zweiten Reihe stehen 12 Soldaten. Man spielt sofort als Anzug die 6 Roch und Fersbauern zwei Schritte und lässt auch den Fers, wie nach den Ströbecker Schachregeln, im ersten Zuge den Freudensprung ins dritte Feld machen. (Ströbecker Tabiya)



 


Der Kurier hat den Gang des Läufers. Der Mann zieht wie der König, der Schleich wie der Roch, aber nur bis ins nächste Feld. Der Fers (Königin) geht nur ein Feld, aber stets auf gleicher Farbe. Der Alte zieht nach Läuferart auf derselben Farbe, aber stets aufs zweite Feld und kann somit andere Figuren überspringen.


Die Spielzüge der aus dem „normalen Schach“ bekannten Figuren von Bauer, Turm, Springer, König und Kurier, der unserem Läufer entspricht:


Die Spielzüge der speziellen Courier-Figuren von altem Läufer, Ratgeber, Königin und Schleich:


Im Übrigen sind die Ströbecker Schachregeln maßgebend.


Ströbecker Schachregeln:

1. Jeder Spieler hat in der rechten unteren Ecke ein schwarzes Feld.
2. In der Ausgangsstellung rücken jeweils die Randbauern, die Damebauern und die Damen zwei Felder vor (Ströbecker Tabia).
3. Alle Bauern dürfen während des Spiels nur einen Schritt nach vorn gesetzt werden.
4. Eine Rochade findet nicht statt.
5. Erreicht ein Bauer das achte Feld, wird er nicht gleich zur Dame oder zum Offizier, sondern muss erst noch drei „Freudensprünge“ rückwärts machen, bis er seine Ausgangsposition wieder eingenommen hat. Während dieser Sprünge kann der Bauer auch geschlagen werden. 


Hinweis auf die Gebräuchlichkeit dieses Spieles ist auch das Geschenkschachbrett des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1651) an das Dorf Ströbeck, auf dessen Rückseite ein Kurierfeld eingearbeitet ist. Dieses ist im Ausstellungsraum zur Ströbecker Geschichte zu sehen. 

Ausstellungsstück des Schachmuseums